Als ich heute morgen aufgewacht bin, habe ich meinen Laptop hoch gefahren, mein Internet angemacht und sah spontan, als ich meine Emails abgerufen habe, dass ich unter anderem eine neue Email von meiner Freundin bekommen habe. Geschrieben von ihr gestern Abend, als ich schon geschlafen habe, aber da sie ja sechs Stunden zurück in der Zeitzone von Kanada sitzt, habe ich sie erst heute morgen gelesen.
Enthalten in dieser Email war ein Brief. Ein echter Brief, auf Papier geschrieben mit ihrer eigenen Handschrift und eingescannt, weil er auf dem Postweg mich nicht mehr vor meinem Urlaub erreicht hätte. Was in diesem Brief stand, hat mich schon irgendwie bewegt. Naja fast jedenfalls. Ich mache zwar auch solche Spielereien für sie, aber behalte mein Herz trotzdem noch nach wie vor für mich.
Sie schrieb mir, dass sie mich liebe. Und dass sie mich vermissen würde. Was sie alles an mich schätzen würde. Und wie wichtig ich ihr doch sei. Sie beschreibt unsere bisherigen Aktivitäten, wie schwerelos sie sich fühlt, wenn wir tanzen, wie sehr sie unsere gemeinsamen Essen und Spaziergänge genossen hat. Und wohl sie sich in unseren gemeinsamen Nächten gefühlt hat. Was alles in allem ja auch irgendwie süß war. Ne ganze DIN A4 Seite hat sie mir da geschrieben, gemalt von fünf Herzchen und beendet mit "In Liebe, ihr Name".
In meinem Geldbeutel habe ich ein Münzfach. Neben den diversen Euromünzen die darin herum klimpern habe ich mir über die Zeit drei Talismane angesammelt, wenn man so will. Der Erste, der war ein Geschenk der Oma meiner ersten Freundin zu Weihnachten. Eine sehr herzliche Frau war das, ihre Oma. Und da sie, genauso wie meine erste Freundin, eine Schweizerin war (und ist), schenkte sie mir ein kleines, schweizer Taschenmesser. Trage ich seitdem immer bei mir und findet auch rege Nutzung. Der Zweite Gegenstand ist ein kleine Pin, so ein Anstecker, den man von Fußballklubs kaufen kann. In diesem Fall ist es ein Anstecker der Fußballmannschaft von Sankt Petersburg, den ich von dem Mädchen geschenkt bekommen habe, welches ich auf meiner Europatour letztes Jahr in Barcelona geschenkt bekommen habe. Sie war glaube irgendwas um die 16 Jahre alt. Wir zogen die halbe Nacht, zusammen mit ihrer Freundin und äußerst gebrochenem Englisch durch die Stadt und sahen uns sogar ein paar Wochen später noch in meiner City wieder, als sie auf dem Rückflug an meinem örtlichen Flughafen ein paar Stunden aufenthalt hatte und ich ihr in dieser Zeit meine City zeigen durfte.
Der dritte - und mit Abstand wichtigste - Gegenstand ist ein Ring. Den ich in der westirischen Stadt Galway mal für meine damalige Freundin kaufte, für die ich aus meinem Leben in Irland auch nach Deutschland zurück kam. Aber nicht irgendein Ring, sondern eben jener besondere Galwayring. Dabei handelt es sich um einen silbernen Ring aus mehrern Teilen: In der Mitte befindet sich ein Herz in dessen mitte sich wiederum ein kleiner Diamant befindet. Naja, ist wohl eher ein Glas oder Strassstein, als ein echter Diamant, aber es sieht zumindest so aus. Dieses silberen Herz, mit Pseudodiamant, wird gehalten von zwei Händen, die rechts und links aus dem Kreis des Ringes heraus wachsen. Und zu alle dem sitzt auf dem Herz noch eine Krone. Zusammen symbolisiert dieser Ring, die Liebe, welche von Freundschaft gehalten wird und unter dem Zeichen der Treue und Loyalität wie zu einem König steht. Liebe, Freundschaft, Treue...
Seit meine Ex-Freundin damals mit mir Schluss gemacht hat, trage ich diesen Ring immer bei mir. Lasse ihn allerhöchstens, so wie jetzt, wenn ich in den Urlaub fahre, zu Hause, um ihn nicht zu verlieren. Denn dieser Ring hällt seit der Trennung von meiner Ex-Freundin nicht nur ein Herz mit einem pseudo Diamanten darin fest, sondern darüber hinaus auch mein Herz. Ironischerweise ist es mir nicht gänzlich gelungen mich vor solcherlei Herzschmerz zu bewahren, wie der Fall mit meiner Ex-Trulla zeigt, in die ich mich versehentlich verliebt hatte, obwohl ich den Ring sicher verwahrt hatte. Aber dafür hat mir meine Ex-Trulla aufs Neue und nur umso stärker gezeigt, dass man sich auf niemanden verlassen sollte, außer auf sich selbst. Denn wirklich treu gewesen und treu bleiben war und werde ich mir schon immer selbst bleiben.
Nun habe ich gerade eben den Film "Der Schlussmacher" gesehen. Alles in allem ein sehr schöner Film, wenn vielleicht auch mit ein bisschen viel Schleichwerbung für Mercedes Benz... Kernessenz des Films: Liebe ist nichts für Feiglinge. Ich bin kein Feigling! Aber mache ich es wirklich anders als diese Agentur, in der der Hauptdarsteller arbeitete? Ich mache zwar nicht Hauptberuflich für andere Leute Schluss, aber ich weigere mich ebenso wie der Hauptdarsteller konsequent mich in meiner Freundin wirklich zu verlieben und mich auf sie einzulassen. Selbst jetzt, wo sie mir einen so süßen und herzlichen Brief geschrieben hat, in der sie zum Ausdruck gebracht hat, dass ich ihr echt ziemlich wichtig geworden bin und einen hohen Wert in ihrem Leben darstelle.
Aber welchen Wert hat sie in meinem Leben? Ich schlief während unserer Beziehungszeit schon mit zwei anderen Frauen. More to come? Ha, eigentlich lächerlich. Eigentlich ziemlich mies. Und dennoch erwarte ich von ihr wie selbstverständlich, dass sie mit mir ins Ausland kommen sollte, wenn ich die Stelle in Schottland bekommen werde. Ohne dabei sicher zu sein, dass ich ihr treu zu sein gedenke.
